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Gibt es den "natürlichen Laufstil"

Die Thematik ist mittlerweile schon fast wieder ein alter Hut, nachdem früher oder später jeder, der sich etwas intensiver mit dem Laufstil und dem Thema Fußaufsatz beschäftigt sicher auf Begriffe wie Barfußlaufen und Naturalrunning stößt.

Auch nach Präsenz dieser Informationen über Jahre in den Laufsportmagazinen  dieser Welt, führen  nach wie vor Stabil- und Maximaldämpfungsschuhe die Produktpaletten großer Laufschuhkonzerne vorne an. 

Ist das Barfußlaufen und Natural Running nun auch nur wieder eine Modeerscheinung und ein Versuch der Laufschuhindustrie neue Ideen zu vermarkten? Um der ganzen Sache etwas auf die Schliche zu kommen möchte ich gerne einen kleinen Ausflug machen.

Der Evolutionsbiologe Prof. Daniel Lieber forscht seit Jahren in Harvard intensiv am aufrechten Gang des Menschen und den damit verbundenen evolutionären Entwicklungen beim Homo Sapiens. Seine These stützt sich darauf, dass der Urmensch als Jäger und Sammler seine spätere Malzeit nicht in einem Sprint , sondern in einer ausdauernden Hetzjagd bis zur Ermüdung erlegte.

Viele Indizien wie u.a. auch die im Tierreich einzigartige Fähigkeit des Menschen intensiv und effektiv zu schwitzen machen die Vermutung wahrscheinlicher, dass der Mensch der geborene Läufer ist. Auch die Anatomie des menschlichen Fuss bieten Hinweise darauf . Genauere Untersuchungen zeigen dabei auch, dass die Effizienz des Langstreckenlaufes beim Barfusslaufen deutlich besser ist.

Biomechanisch erfolgt beim beim Barfußlaufen der erste Bodenkontakt über den Vorfuß. Die Aufspreizung des Längs- und Quergewölbe des Fußes sowie die Dehnung der Achillessehne führen zu einem Aufladen an kinetischer Energie ähnlich wie bei einer Feder. 

In der Abdruckphase beim Laufen wirken diese sich passiv entladende Kräfte unterstützend zur muskulären Verkürzung der Fuß-, Waden-, Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur und der Vortrieb wird ökonomisiert. 

Zudem bewirkt der Vorfußaufsatz eine Vorneigung des Oberkörpers woraus zudem ein Kippen des Beckens resultiert. Die Kraft- und Impulsübertragung erfolgt dabei in erster Linie über die Muskelkette ( Fußmuskulatur - Wadenmuskulatur- Oberschenkelmuskulatur - Gesäßmuskulatur - Rückenmuskulatur) und ist sehr gelenkschonend, wenn auch die muskuläre Beanspruchung drastisch höher ist als beim unnatürlichen Laufen über die Ferse.

 

Beim Fersenlauf erfolgt die Impulsübertragung über die Knochenkette (Fersenbein - Kniegelenk - Hüftgelenk - Wirbelsäule  - Kopf).

Der Impuls ist deutlich höher als beim Vorfußlauf und macht diesen Laufstil für langjährige Läufer bedenklich hinsichtlich Gelenkserkarnkungen.

Der Vorfußlauf ist unser natürlicher Laufstil, welcher jedoch nach Lieberman nur beim wirklichen "Laufen" und nicht beim Gehen zum Einsatz kommt. Beim Gehen sind wir demnach Fersengänger.

Anders sieht es der deutsche Arzt Hans-Peter Greb. In Jahrzehntelanger Eigenstudie und an Untersuchungen seiner Patienten kam er der These immer näher, dass der Mensch auch beim Gehen von seiner Natur aus ein Vorfußgeher ist.

Als Indizien nennt Greb die Tatsache, dass Kinder, wenn sie mit ca. 1 Jahr anfangen aufrecht zu gehen  , definitiv über den Vorfuß aufsetzten. Die Dichte Ansammlung von Sinnesrezeptoren im Vorfußbereich  im Gegensatz zur mageren diesbezüglichen Ausstattung  an der Ferse macht diese Fortbewegungsart logisch. 

Kinder lernen in den ersten 3 Lebensjahren vorwiegend durch Nachahmung. So sehen sie  erwachsene Menschen, welche eingehüllt in festem Schuhwerk, womöglich noch mit erhöhtem Fersenbereich durch die Gegend stampfen. 

Spätestens mit dem ersten festen Schuhwerk beginnt das Kind diese Fortbewegungsart nachzuahmen und sie wird im Kleinhirn nach und nach fest verankert.

Ist der natürliche Lauf - und Gehstil also eine verloren gegangene Fähigkeit unserer Spezies welche womöglich auch Ursache für viele unserer Volksleiden wie Rückenschmerzen, metabolisches Syndrom und Asthma sind?  

Die Vermutung liegt nahe. Rein ursächlich werden wir es wohl niemals 100%- ig wissen. Die Tatsache, dass der Mensch im 21. Jahrhundert sich kognitiv stetig weiterentwickelt, da die zunehmende Technisierung der Welt, mehr und mehr Berufe schafft, welche vorwiegend denkend und nicht körperlich handelt ausgeführt werden, macht die Auseinandersetzung mit simplen und effektiven Methoden zur Gesundheitsförderung und Prävention jedoch wichtiger denn je. 

Ein Mensch, der am Tag bis zu 10 Stunden und mehr kognitiv am Arbeiten ist, braucht  Möglichkeiten um die Muskulatur und den Kreislauf regelmäßig  zu aktivieren. 

Da gehört natürliches Laufen und Barfußgehen definitiv dazu, unabhängig davon ob dies Relikte früherer Bewegungsarten oder kognitiv neu entwickelte und entworfene Modelle sind. 

Um sich einem natürlichen Geh- und Laufstil zu nähern empfehlen sich minimalistische - und Barfußschuhe welche sich dadurch auszeichnen, dass sie wenig oder keine Sprengung (Differenz zwischen Ferse und Ballenbereich) besitzen und durch eine breite Zehenbox dem Fuß genug Spielraum zum Ausdehnen des Fußgewölbes lassen. 

Für Läufer welche sich dem natürlichen Laufstil nähern möchten, gilt Geduld und Vorsicht. Unser Muskel- und Bandapparat ist an festes Schuhwerk über eine lange Zeit angepasst , und gewisse Strukturen waren lange inaktiv. Als Faustregel gilt die 10%  - Regel, welche besagt dass zunächst nur 10% der üblichen Laufdistanz im neuen Stil bewältigt werden sollte. 

Wer neu mit dem Laufsport beginnt, und auf der Suche nach dem richtigen Schuh ist, sollte vielleicht darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoller ist,  gleich mit dem natürlichen Stil zu beginnen. Dies erfordert zwar mehr Geduld und Ausdauer, bringt jedoch langfristig mehr Gefühl und Freude für das persönliche Training.

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