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Der 10.Hirnnerv - Schnittpunkt zwischen Laufen und Yoga

Wer an Laufen denkt, stellt sich ein intensives Ausdauertraining über einen längeren Streckenabschnitt vor. Beim Yoga denkt der überwiegende Anteil der Gesellschaft wohl klar an Dehnungs- und Mobilisationsübungen, also den körperlichen Anteil des Yoga in Form von Asanas.

In der Läuferszene findet man mittlerweile immer mehr Sportler, welche Yoga als Gegengewicht zum intensiven und fordernden Laufsport nutzen. Auch einige Lauftrainer, bieten ergänzend mittlerweile auch Yogaeinheiten an. Dabei geht es in erster Linie häufig nicht nur um den Stabilisationseffekt durch eine Stärkung der Rumf- oder Bein- und Fußmuskulatur durch körperliche Übungen . 

Ganz klar ist dieser Effekt, ebenso wie die  lockernde und dehnende Wirkung einiger Asanas nicht von der Hand zu weisen und auch mit ein Grund warum Yoga von immer mehr Ausdauersportlern betrieben wird. Dennoch gibt es meiner Meinung nach einen zentralen Schnittpunkt, welcher die Kombination dieser beiden Elemente so genial macht.

Ich spreche von unserem Autonomen (vegetativen) Nervensystem, welches sich vereinfacht durch 2 große Gegenspieler darstellt:

Sympathikus und Parasympathikus

 

Während der Sympathikus unseren Körper in Notfallsituationen fit machen soll, sorgt der Parasympathikus für Entspannung und regelt u.a. unsere Verdauung. Dieses vegetative autonome Nervensystem ist steinalt und funktioniert noch heute so wie vor vielen tausenden von Jahren. Das sympathische System soll uns in Notfallsituationen fit und ausdauernd machen um vor einem drohenden Feind zu fliehen. 
In der heutigen Zeit gibt es zwar keine Säbelzahntiger mehr, und die natürlichen Fressfeinde des Menschen minimieren sich zunehmend, dennoch gibt es täglich genügend Reize, welche so eine Fluchtreaktion in unserem Körper durch Stress auslösen können.
Das parasympathische System wird hauptsächlich durch den 10. Hirnnerven geprägt. Dieser Nerv trägt auch den Namen "Nervus Vagus".
Der Nervus Vagus entspringt aus Kerngebieten im Gehirn und zieht von dort durch unseren Körper. Er hat Einfluss auf viele unserer Organfunktionen und kann grob gesagt als der "Entspannungsnerv" bezeichnet werden.

 Ein moderates Ausdauertraining welches unter Einhaltung der Regenerationszeiten ausgeführt wird, aktiviert langfristig den Einfluss des Nervus Vagus auf unser Herz-Kreislaufsystem. 

Dabei wird die Herzfrequenz teilweise über den Parasympathikus reguliert. Unter dessen Einfluss kann es zu einer Optimierung der Herzfrequenzvariabilität kommen. Damit ist die Fähigkeit unseres Herzen gemeint, auf fordernde Reize oder körperliche Anforderungen durch eine Erhöhung der Herzfrequenz zu reagieren um dann nach Ende des intensiven Reizes unseren Herzschlag wieder zu bremsen.

Ein Herz, welches schnell auf sich ändernde Reize reagiert, gilt als gesund und sportlich. Daher gilt eine gute Herzfrequenzvariabilität auch als Marker für Ausdauerfähigkeit und sie kann mittlerweile von zahlreichen Sportuhren über die Pulsmessung ermittelt werden.

Dauerhafter Stress und Übertraining machen unseren Herzschlag starr und rigide. Wer sein Training hinsichtlich der Gefahr von Überlastung überwachen möchte, tut gut daran sich mit dem Begriff der Herzfrequenzvariabilität auseinander zu setzen.

Nicht nur am Herzen hat der Nervus Vagus Einflüsse

Der Nervus Vagus regelt unter anderem unsere Atmung. Die Atmung ist ein mechanischer Prozess, welcher jedoch unter normalen Bedingungen meist unbemerkt und automatisch abläuft. So müssen wir uns im Schlaf beispielsweise nicht auf unsere Atmung konzentrieren um bewusst zu atmen. Den aktiven Anteil unserer Atmung stellt die Einatmung dar. Dabei spannt sich unser wichtigster Atemmuskel (das Zwerchfell) an und wandert nach unten. Somit entsteht im Brustraum mehr Platz für unsere Lunge und eine Sogwirkung ähnlich wie beim Blasebalg entsteht. Die Ausatmung läuft eher passiv ab. Eingeleitet wird sie durch den Nervus Vagus. Er verhindert, dass unsere Einatmung zu Lange dauert um unsere Lunge vor Überdehnung zu verschonen.

Durch bewusstes Ausatmen haben wir die Möglichkeit Einfluss auf den Nervus Vagus zu nehmen 

Im Yoga stellt die Atmung ein zentrales Element dar. Im Yoga lernt man bewusst zu atmen und den Atem zu kontrollieren. Damit können wir durch regelmäßige Praxis lernen, atmend Einfluss auf den Nervus Vagus zu bekommen um so, ebenso wie beim Ausdauertraining unserere Herzfrequenzvariabilität und die Anpassungsfähigkeit unseres Herzkreislaufsystems zu optimieren.

Es gibt einen eigenen Bereich im Yoga welcher sich nur mit unserer Atmung und verschiedenen Atemtechniken beschäftigt. Im Pranayama lernt man bewusst zu atmen um den Einfluss der Atmung auf das vegetative Nervensystem weiter zu optimieren. Im körperlichen Anteil des Yoga wird die Atmung in Einklang mit den Bewegungsübungen durch Asanas gebracht. Dabei wirkt die Atmung entspannend und unterstützend zu gleich. Es gibt also durchaus einen zentralen Schnittpunkt zwischen Laufen und Yoga, welcher klar macht, dass diese beiden Elemente hervorragend zusammen passen und regelmäßig praktiziert werden sollten.

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