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Laufsport - eine Herzensangelegenheit

Man kennt die erschreckenden Nachrichten, die immer wieder durch lokale Nachrichtensender durchsickern und unseren Atem für einen  Moment stocken lassen. Die Rede ist vom plötzlichen Herztod bei Laufsportlern.

Nach solchen Informationen fangen viele an über das eigene Training nachzudenken, und man sucht häufig nach dem Grund, und einer Möglichkeit, damit so etwas nicht passieren kann.

Beruhigend ist, dass solche Ereignisse bei Laufveranstaltungen eher selten sind. Wir bekommen sie nur gelegentlich mit, da solche Wettkämpfe eben öffentliche Veranstaltungen sind und auch mediales Interesse an solchen Ereignissen bestehen kann. Eher beunruhigend ist, dass diese Ereignisse natürlich auch zu Hause und beim Training vorkommen.

Laufen ist eben nicht nur gesund und eine lebensverlängernde Maßnahme, sondern birgt auch Risiken und Gefahren.

Doch nun mal ganz von vorne. Um zu verstehen, wo die Gefahren und Risiken des Laufsports für unser Herz liegen sollte man sich erstmal ein wenig mit der Anatomie dieses Organs auseinandersetzen.

Das Herz ist ein Hohlorgan, welches aus 4 Räumen besteht:  2 Herzkammern mit 2 Vorhöfen. Somit gelangt im physiologischen (gesunden) Kreislauf das Blut aus dem Körper über den rechten Vorhof in die rechte Herzkammer. Von dort wird das Blut aus der rechten Herzkammer in den sog. Lungenkreislauf gepumpt, in welchem das Blut mit Sauerstoff angereichert wird. Aus diesem Kreislauf kommend gelangt das Blut zurück zum Herzen und wird vom linken Vorhof in die linke Herzkammer befördert. Aus der linken Herzkammer wird nun sauerstoffreiches Blut in unseren Körper gepumpt um unsere Organe, Muskeln und Gewebe zu versorgen.

Das Herz hat zudem eine eigene Blutversorgung und versorgt sich über die sog. Koronararterien selbst mit Sauerstoff. Sind diese Koronararterien mit Plaques belegt oder ist die Blutzirkulation gestört, kann es zur Koronaren Herzerkrankung kommen welche in einem Herzinfarkt enden kann. Laufsportler, welche an Koronarer Herzerkrankung leiden müssen vor Wiederaufnahme des Trainings natürlich umfassend kardiologisch behandelt und abgeklärt sein. Ein moderates Lauftraining mit niedriger Intensität kann dabei für den Verlauf der Erkrankung förderlich sein. Intensive Belastungen können hierbei zu kurzzeitigen Minderperfusionen des Herzmuskelgewebes führen und stellen somit sicherlich ein Risiko für den plötzlichen Herztod dar. 

Wie schon angesprochen, besteht das Herz aus Muskelgewebe. Dieses Muskelgewebe unterscheidet sich jedoch von unserer Skelettmuskulatur, da das Herzmuskelgewebe autonome eigenständige Erregungszentren beinhaltet, welche den Taktgeber für unseren Herzschlag darstellen. Zudem können diese ausgelösten Takte über die Herzmuskulatur weitergeleitet werden.

Gerade virale Erkrankungen können unsere Muskulatur beeinträchtigen. Jeder, der schon mal einen hartnäckigeren grippalen Infekt hatte kennt diese Problematik. Gliederschmerzen sind ein Indiz für eine muskuläre Beteiligung. Für unsere Skelettmuskulatur hat dies keine große Relevanz. Für die spezielle Herzmuskulatur mit dem eigenen Erregungsleitungssystem können die Viren jedoch fatale Folgen haben, da eine Infektion dieses Gewebes die Reizleitung stören kann. Im schlimmsten Fall kann es dabei zu schweren Herz-Rhythmus-Störungen bis zum Kammerflimmern kommen. Bei viralen grippalen Infekten, welche mit Gliederschmerzen einhergehen gilt für uns Läufer daher ganz klar: "Laufverbot". Wer danach unsicher ist, wann er mit dem Training wieder beginnen kann, sollte vor Wiederaufnahme des Trainings auf jeden Fall einen Arzt konsultieren.

Auch bakterielle Erkrankungen können unser Herz beeinträchtigen. Eine Mandelentzündung wird häufig durch Streptokokken ausgelöst. Eine spezielle Form dieser Bakterien kann durch Toxine Schädigungen an der Herzinnenhaut (Endocard) auslösen und somit Schädigungen an den Herzklappen bewirken. Auch hier gilt ganz klar: "Laufverbot". Wer eine Mandelentzündung hatte, und unsicher vor Wiederaufnahme des eigenen Trainings ist, tut gut daran sich vorab bei einem Kardiologen vorzustellen. 

Eine Laufabstinenz bei viralen und bakteriellen Erkrankungen trägt sicherlich zur Prophylaxe eines plötzlichen Herztods bei Läufern bei.

Glücklicherweise stellt der Laufsport selbst einen schützenden Faktor für unser Herz-Kreislaufsystem dar. Denn richtig ausgeführtes Training macht uns resistenter gegen virale und bakterielle Erkrankungen und stärkt unser Herz.

Jedoch gibt es auch beim Training gewisse Richtlinien, da unser Herz durch falsches Training auch leiden kann.  Dabei kann eine ständige Trainingsbelastung durch übermäßige Trainingsumfänge das Risiko für Herzerkrankungen steigern.

Es gilt wie in so vielen Bereichen des Lebens: "die Dosis macht das Gift". Und dies ist eine Aussage, welche sich sicherlich einige Hobbyathleten zu Herzen nehmen dürfen. Denn weniger ist auch beim Training häufig mehr. Ein richtig dosiertes Training ist gesünder und bringt meist mehr Erfolg, als die sture Steigerung des Trainingsumfangs. Abnorme Trainingsumfänge, wie sie bei Langdistanztriathleten und Ultraläufern vorkommen können, erhöhen das Risiko für strukturelle Erkrankungen am Herzen, welche auch wieder zu Herzrhythmusstörungen führen können. Es ist kein Mythos, dass Extremausdauersportler ein erhöhtes Risiko aufweisen, im Alter an Vorhofflimmern zu erkranken.

Erfreulicherweise können wir durch ein richtig ausgeführtes Lauftraining unser Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen jedoch deutlich minimieren. Neueren Studien zu Folge gewinnen regelmäßige Läufer bis zu 7 Jahre an Lebenserwartung. Man mag in den Schlagzeilen über Herzerkrankungen bei Ausdauersportlern schnell zu dem Gedanken "Sport ist Mord" kommen. Jedoch überwiegen die positiven Effekte des Ausdauersports bei weitem. 

 

Ausdauersport kann in in der Rehabilitation von chronischen Erkrankungen  einen ähnlichen  bis gleichen Effekt wie eine pharmakologische Therapie haben , und sollte daher auch als Therapie verordnet werden !

 

Damit wir den Laufsport bei erhöhter Lebenserwartung auch noch bis ins hohe Alter genauso genussvoll ausführen können wie heute, sollten wir nur einfach etwas vorausschauender und dosierter trainieren.

Ich wünsche euch viel Freude beim Laufen und  ein gesundes Lauftraining. Fragen und Anregungen diskutiere ich mit euch gern über das Kommentarfeld oder Kontaktformular.

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Kommentare: 1
  • #1

    Sascha (Montag, 06 November 2017 11:03)

    Danke für die fundierte Erklärung!

    Ich komme mir manchmal schon echt blöd vor, wenn ich wegen jedem "Rotz" mein Trainings pausiere. Spätestens jetzt weiß ich, dass ich damit in den meisten Fällen richtig liege.

    Gruß
    Sascha

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