· 

10 typische Lauffehler und Laufmythen

Wer kennt es nicht ? Wir Läufer reden doch in unserer lauffreien Zeit nur allzu gern von unserem Lieblingssport. Im läuferischen Klatsch und Tratsch gibt es auch immer wieder Dinge welche sich in der Läuferszene verbreiten aber schlicht falsch und irrtümlich sind. Ein Anreiz für mich, diesen Beitrag zu schreiben, in der Hoffnung damit etwas aufzuräumen und Klarheit zu verschaffen :-)

1. Laufen ist einfach, wird schnell langweilig und es kann jeder ...

Kommt natürlich ein wenig auf die persönlichen Vorlieben an, jedoch ist Laufen mit Sicherheit kein "simpler" Sport. Macht man einen Vergleich und analysiert den Laufstil aller Läufer in einem Stadtpark, stellt man schnell gravierende Unterschiede fest. Jeder, der schon einmal begonnen hat, an seiner Lauftechnik und am Stil zu arbeiten weiß: Laufen ist nicht einfach, sondern ein sehr technischer Sport. Die richtige Lauftechnik schützt uns langfristig vor plagenden Verletzungen und Wehwehchen, welche vielen schnell die Freude am Laufen nehmen. Gerade wer Abwechslung in sein Training integriert und auch an technischen Elementen des Trainings feilt, wird sicher keine Langeweile verspüren.

2. Wer schnell Laufen möchte muss groß sein und lange Schritte machen können ...

Falsch. Wenn man sich die schnellsten Läufer der Welt vor Augen hält, stellt man ziemlich schnell fest, dass diese keine Riesen sind. Der amtierende olympische Goldmedallist über 10.000m Mo Farah ist nur 1,75m groß. Beim Laufen wird man u.a. schneller durch 2 Mechanismen :

Eine Erhöhung der Schrittfrequenz bei einer Erhöhung der Schrittlänge. Dies muss jedoch in einem idealen Verhältnis zueinander stehen. Allein "lange Schritte" machen nicht schneller, sonder diese können im Gegenteil sogar bremsen.

3. Wer schnell Laufen möchte muss häufig schnell Laufen...

Falsch. Der überwiegende Anteil der Hobbyläufer läuft zu schnell und dies ist häufig die Ursache warum das Training stagniert oder ein Leistungszuwachs ausbleibt. Basis für ein "schnelles Laufen" bietet eine solide Grundlagenausdauer welche gründlich nur durch häufiges Trainieren im niedrigen Intensitätsbereich aufgebaut werden kann. Dazu bedarf es dem Erlernen des "langsamen Laufens".

4. Qualität kommt von Qual ....

Ein netter Spruch, und seit Jan Ulrichs "Quäl Dich Du Sau" irgendwie bei einigen Ausdauersportlern hängen geblieben. Jedoch im Kern der Aussage schlicht und einfach falsch. Ein Lauftraining welches Dich voranbringen soll, zeichnet sich nicht in erster Linie durch Qual aus. Wenn Dein Training zur Qual wird, bist Du entweder im Übertraining oder brütest gerade einen Infekt aus. Dein Training sollte sich durch Abwechslung auszeichnen. Dennoch sollte der überwiegende Anteil im Grundlagenausdauerbereich absolviert werden und dieses Training bereitet in der Regel keine "Qual". Vereinzelte Intervalleinheiten mögen euch wie eine Qual vorkommen. Doch diese sollten niemals der Hauptbestandteil eures Trainings darstellen.

5. Wer fit ist hat einen niedrigen Puls beim Training ...

Diese Aussage ist erstmal nicht falsch. Denn wer länger trainiert und fitter wird, stellt fest, dass der Trainingspuls bei gleicher Belastung sinkt. Die Laufeffizienz wird also besser. Häufig beobachte ich jedoch, wie Athleten mit Pulsuhr Ihren Trainingspuls während dem Lauf untereinander vergleichen ... als Beispiel: "was du läufst den 5 er Pace mit ner 160er Frequenz, also ich bin da bei 140 Schlägen pro Minute..!" Dieser Vergleich sagt noch nicht viel... Der Trainings- und Pulsbereich eines Athleten ist abhängig von dessen maximaler Herzfrequenz, und diese ist nicht einheitlich, sondern höchst individuell und genetisch geprägt. Es gibt Hochpulser- und Niedrigpulser. Es lohnt sich , die Trainingszonen von einem Sportmediziner oder Trainer einteilen zu lassen.

6. "Beat Yesterday" und Hauptsache besser als gestern

Wir leben in einem Zeitalter des Größenwahns und uns wird vorgegaukelt, dass wir unsere Grenzen immer weiter verschieben sollten. Eine Challenge jagt häufig die nächste. Zur Motivation ist eine Challenge sicherlich nicht verkehrt. Doch die Aussage "Beat Yesterday" beinhaltet trainingswissenschaftlich einen Kurzschluss. Wer ständig versucht die Leistung des Vortages zu verbessern wird im Training nicht voranschreiten sondern im Gegenteil sogar vermutlich langsamer. Ein gutes strukturiertes Training zeichnet sich durch Abwechslung aus, und da finden ebenso Einheiten Platz, welche lockerer und leichter als "gestern" sind. 

7. Wer schnell laufen will muss Vorfuß laufen

Ein Mythos ... Jein. Zwar laufen die schnellsten Marathonläufer über den Vorfuß, und dieser Laufstil gilt sicher als schnellster Laufstil, nur gibt es zunächst einige andere Faktoren die zu einem schnelleren Laufen führen können. Der Vorfußlauf ist mit einer höheren Belastung für die Wadenmuskulatur, die Sprunggelenke und die Achillessehne verbunden. Prinzipiell sollte ein Athlet sich erst an die Umstellung auf diesen Fußaufsatz wagen, wenn er viel Erfahrung hat, und andere Faktoren wie Trainingsplanung, Ernährung und Regeneration nicht zum weiteren Erfolg führen. Hier lohnt sich eine Laufstilanalyse unter professioneller Beratung. Eine gute Kompromisslösung ist der Mittelfußaufsatz, denn er ist schnell und birgt ein  niedrigeres Verletzungsrisiko.

8. Laufen ist schlecht für die Gelenke

Zwar eine gute Ausrede für viele, die dem Laufsport abgeneigt sind, jedoch falsch. Natürlich  gibt es eine Grenze beim Laufumfang (wöchentliche kumulative Kilomteranzahl) welche von Hobbyathleten nicht zu abrupt überschritten werden sollte, dennoch zeigen neuere Studien positive Einflüsse des regelmäßigen Laufens auf unsere Gelenke. Dabei wird unser Knorpelgewebe wie z.B. die Menisken in unserem Knie besser mit Nährstoffen versorgt und das Risiko einer späteren Gelenksarthrose minimiert. Zudem wirkt regelmäßiges Laufen stärkend und baut Knochensubstanz auf.

9. Ein Laufschuh muss an der Ferse richtig gut gedämpft sein...

Lange galt diese Aussage als beschreibend für "den Laufschuh". Die Auswahl an Laufschuhen ist heutzutage riesig. Von Barfußlaufschuhen über Trailrunningschuhe bis hin zum Stabilschuh findet man nahezu alles. Wer mit dem Laufen beginnt, für den lohnt sich eine Laufstilanalyse. Denn ein Laufschuh sollte nicht in erster Linie schützen, sondern das natürliche Abrollverhalten des Fußes unterstützen und dafür sorgen, Fußmuskulatur aufzubauen.

10. Langstreckenlauf ist unnatürlich ...

Falsch. Zwar schütteln Menschen häufig den Kopf, wenn es um Marathonlaufen oder das Laufen eines Halbmarathons geht.

Doch Laufen ist der natürlichste Sport von allen. Das einzige was an dem Sport unnatürlich ist, stellt der überwiegende Bodenbelag unserer Welt dar. Asphalt ist hart und erfordert Anpassungsprozesse. Wer noch natürlicher Laufen möchte, sollte Trailrunning ausprobieren. Denn das Laufen über einen weichen Waldboden ist schonender für die Gelenke und stärkt unsere Bein und Fußmuskulatur.

Wenn Dir weitere Mythen oder Fehler einfallen, oder Du Fragen hast, freue ich mich, wenn Du mir Deine Anregungen als Kommentar hinterlässt. Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß beim Trainieren und Laufen ....

online training

Lass Dich bei Deinem Training Online medizinisch und gesundheitsorientiert begleiten und werde fitter, gesünder und ausgeglichener, nicht bloß schneller .. mehr 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Unterstützt bei läuferischen Aktivitäten u.a. von diesen starken Partnern:

Finde uns auch bei Facebook und Instagram und iTunes