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MarsEndurance - Ganzheitlich fit - Teil 5 - Yoga und Meditation

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Schön das Du die Ausdauer gefunden hast und immer noch dabei bist bei Ganzheitlich Fit. Im Letzten Teil der Serie möchten wir uns nun mehr mit dem Kopf auseinandersetzten und mit Möglichkeiten, welche unsere Fitness noch weiter positiv beeinflussen können. 

Auch wenn sicherlich viele bei begriffen wie Yoga und Meditation an Esoterik denken, und daher auch schnell einen Bogen um diese Regale in einer Buchhandlung machen, möchte ich behaupten dass diese Möglichkeiten einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität all der vorher beschriebenen Fertigkeiten , wie Kraft, Ausdauer und  Regeneration haben.

Ich hoffe Du brichst diesen Artikel an dieser Stelle nicht gleich ab, denn ich möchte im folgenden gerne aufzeigen warum Yoga und Meditation nicht Hokus Pokus oder Esoterik sein muss.

Das menschliche Gehirn ist durchsäht geschätzt 100 Milliarden Nervenzellen. Tausende von Gedanken schwirren täglich durch unsere Rechenzentrale. 

Allein im Ruhezustand verbraucht das menschliche Gehirn ca. 20% des Grundumsatz. Bei körperlicher Aktivität nimmt dieser Anteil noch deutlich zu

Nicht selten beißen wir uns an manchen Gedanken fest und merken dabei gar nicht mehr, wie unsere Aufmerksamkeit leidet. Auch im Sport können wir an Gedanken festkleben. Ich nehme als Beispiel immer gerne einen 10 Km Lauf im Wettkampf. Ein ambitionierter Läufer wird spätestens ab Kilometer 5 die zunehmende Intensität in seinen Beinen und in der Lunge durch die erschwerte Atmung spüren. Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten mit dieser Situation umzugehen:

  • Der Sportler versucht durch Assoziation mit positiven Gedanken die Schmerzen der Belastung in den Hintergrund zu drücken, was für ihn weniger subjektive Qual, jedoch trotzdem einen Energieverbrauch für unser Gehirn bedeutet.
  • Der Sportler gibt den körperlichen Signalen nach, da er die Qual im Gehirn und Körper nicht aushält und reduziert die Laufgeschwindigkeit um so ein angenehmeres Gefühl zu erzeugen.
  • Der Sportler wendet Achtsamkeit an, welche erlernt ist und unserem Läufer so ermöglicht, die gefühlte Belastungsintensität von der bewussten und bewertenden Wahrnehmung abzuschirmen. Der Sportler erleidet subjektiv weniger Schmerz und kann das Tempo ohne Leistungseinbußen beibehalten. Zudem ist der Energieverbrauch in seinem Gehirn geringer als bei den ersten beiden Varianten.

Dieser Begriff Achtsamkeit, welchen man in letzter Zeit immer häufiger zu gehör bekommt meint eigentlich eine ursprüngliche einfache natürliche Art unserer Spezies Sapiens. 

 Achtsamkeit ist eine spezielle Form der Wahrnehmung. Ganz einfach ausgedrückt bedeutet der Begriff:

In jedem Augenblick präsent zu sein ohne zu bewerten

Letztendlich ist es immer die Bewertung unserer Gedanken, welche uns von der eigentlichen Situation ablenken. Nicht selten wird versucht die Aufmerksamkeit bewusst wieder in Richtung Gegenwart zu rücken. was jedoch eine hohe Rechenleistung für unser Gehirn bedeutet. 

Für unsere Frühmenschen, welche in Höhlen lebten, war diese Eigenschaft von enormer Bedeutung. Denn sie mussten Wachsam sein, und die Bewertung der Gedanken zurückschrauben, um dem Hirn genügend Energie für die Überwachung der Umgebung durch andere Sinnenreize zu lassen. Nur so konnten sich annähernde Feinde rechtzeitig gehört werden oder die Fährte einer Beute auch durch Gerüche aufgenommen werden.

Achtsamkeit ist also kein Begriff der Esoterik, sondern meint eine ursprüngliche Fähigkeit des Menschen, seinen Gedankenstrom zu reduzieren um so effektiver bei der Jagd zu sein.

Die ablenkenden Faktoren sind in unserer modernen Welt präsenter als in der Steinzeit. Nahezu überall lauert es an Sinneseindrücken, welche dazu verleiten diese gedanklich weiter zu verfolgen. Somit ist es für den modernen Menschen zunehmend schwieriger Achtsamkeit auszuführen, und es lohnt sich, diese Fähigkeit auch unter professioneller Anleitung zu erlernen.

Die Erkenntnisse im Bereich der Neurowissenschaft kommen der Hypothese immer näher, dass unser Gehirn plastisch ist, und im Zeitraum des Lebens bis ins hohe Alter auf Reize mit Anpassungsprozessen  reagiert.

Unser Gehirn fungiert in vielen Bereichen ähnlich wie ein Muskel da es auf Reize mit morphologischen Anpassungen reagiert, und es lohnt sich, unsere Rechenzentrale regelmäßig zu trainineren

Daher weiß man heutzutage, dass Achtsamkeit durchaus erlernt werden kann und sich dadurch Veränderungen im Hirn, durch die Ausprägung neuer neuronaler (Nerven) Verbindungen ergeben. Tägliche Meditationsübungen sind also keine reine Zeitverschwendung oder Hokus Pokus, da sie richtig angewendet Anpassungsprozesse in Gang setzten, von welchen wir nicht nur im Sport, sondern natürlich auch in der täglichen Arbeitsroutine profitieren können.

Meditation und Achtsamkeit sind großer Teil des Yoga, womit wir schon beim nächsten Begriff wären, welcher in unsere Zeit wieder zunehmend in den Medien vertreten ist. Viele denken beim Yoga an Dehnungsübungen und Gymnastik. Die Männer sind häufig erst einmal abgeschreckt, da sie an Gurus in Unterhosen denken, welche sich körperlich verrenken.  

Somit denkt eigentlich der überwiegende Anteil der Gesellschaft bei dem Begriff Yoga an den körperlichen Anteil, welcher sich durch die sog. "Asanas". darstellt.  Abgesehen davon bietet Yoga jedoch weitaus mehr.  Durch die lehre des Yoga ist es möglich einen guten Einstieg in den Umgang mit Achtsamkeit bekommen.

Der Yoga blickt auf eine lange Tradition in Indien zurück, und seine Ursprünge reichen bis in die Zeit vor Christus.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Einflüsse auf den Yoga und es gibt verschiedenste Varianten, welche nun auch in der westlichen Welt praktiziert und gelehrt werden. Eine Richtung die wohl bei den meisten im Gehör hängen blieb, ist der Hatha Yoga. Eine Variante des Yoga, welche viel Gewicht auf den körperlichen Anteil durch Asanas legt. Dennoch bleibt im Hatha Yoga der spirituelle Anteil nicht auf der Strecke. Grundlage bietet den Yogis ein Sammelwerk zum erlernen eines bewussteren Leben: Das "Yogasutra des Patanjali".

Dieses Yoga Sutra lässt sich hervorragend auf die moderne Zeit übertragen und bietet eine gute Möglichkeit, die Achtsamkeit und bewusstere Wahrnehmung in das alltägliche Leben zu integrieren.

In den Körperübungen lernt man,  die Achtsamkeit in Einklang mit dem Muskeltonus zu bekommen. Durch die unterschiedlichen Asanas bekommt das Gehirn nach geraumer Zeit eine genaue Vorstellung von der Aneinanderreihung bestimmter Bewegungsabläufe. So fällt es irgendwann leichter, den Tonus der Muskulatur an gewissen Körperpartien besser zu kontrollieren. Somit können bewusst  Muskeln entspannt werden, während andere unter Anspannung stehen. Diese Fähigkeit kann ein Kraft- und Ausdauertraining enorm bereichern.

Durch Yoga und Meditation kann unser Kraft- und Ausdauertraining also optimiert werden. Auch die Regeneration und vor allem unser Schlaf wird durch die Anpassungen durch Achtsamkeit besser.

Yoga und Meditation sind also ebenso Komponenten eines ganzheitlichen Trainings, und können die Effektivität unseres Workouts positiv beeinflussen.

Die Welt des Trainings ist sets im Wandel und schreitet voran. Sie bleibt niemals stehen, und auch in Zukunft wird es immer wieder neue Erkenntnisse geben, welche unser Training verändern. Somit sehe ich meine Tätigkeit als Arzt und Trainer stets als große Chance um durch eigene Erfahrung und Beobachtung an diesem Wandel teil zu haben. Ich bin hiermit am Ende der Artikelserie "Ganzheitlich Fit" angelangt und bin natürlich immer dankbar über Feedback egal ob positiver oder negativer Art, welches Ihr gerne in Form von Kommentaren oder als Nachricht über das Kontaktformular der Webseite hinterlassen könnt.

Ich freue mich, wenn  "ganzheitlich Fit"  einen Anreiz für das eigene Training geben konnte.

Es ist mir stets ein großes Anliegen im Training meiner Athleten sie  "ganzheitlich" zu betreuen. Nicht immer muss der Leistungszuwachs an erster Stelle stehen. Ein gesunder Körper zeichnet sich durch mehr als Schnelligkeit und muskuläre Kraft aus, und diese Fähigkeiten kommen Stück für Stück, und bleiben bei einem soliden Training dann vielleicht auch bis ins hohe Alter erhalten.

Übersicht der Artikelserie

1. Krafttraining im Wandel (vom sturen Wiederholungstraining zu funktionellem Ganzkörpertraining)

2. Ausdauertraining (Fit und schnell auch ohne Druck und Verletzungen)

3. Regeneration (wie die Erholung erfolgreich und effizienter gelingt)

4. Ernährung (Im Dschungel der Möglichkeiten den eigenen Weg finden)

5. Yoga und Meditation (Esoterik oder gute Ergänzung zum Trainingsalltag)

Artikel zum Vertiefen der Thematik:

Online Training


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