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Tour de Tirol 2016 - zäher aber gelungener Saisonabschluss

Überrascht stehe ich heute am Morgen auf und erwarte stärkste Schmerzen beim Weg ins Bad.... doch der Schmerz bleibt aus. Gut ich spüre meine Muskeln, und die Beine sind schlapp.... 

dennoch muss ich sagen, dass es Strassenmarathons gab, nach denen ich nicht mehr imstande war zu laufen, ohne belustigende Fragen von meinen Mitmenschen zu bekommen.

Ein unglaublich schönes und intensives Laufwochenende liegt hinter mir.... aber nun mal von vorne.

 

Für den 9.10.2016 stand bei mir eigentlich der München Marathon fest auf dem Programm... meine Vorbereitung und das Asphaltschrubben hatte auch schon begonnen, als mich eine Nachricht meiner guten Freundin und Teamkollegin bei Enzymkraft, Cornelia Hilka, erreichte.

"Sie hätte einen Freistart für die gesamte Tour de Tirol 2016 für Ihr Hilfsprojekt Run and Help zugunsten Ärzte ohne Grenzen zu vergeben, und hat da als passionierten Trailläufer an mich gedacht..." ich hatte zu dem Zeitpunkt schon die ersten intensiven Intervall-Einheiten auf der Bahn hinter mir und hab mich schon wieder nach Bergluft gesehnt,sodass ich das Angebot unmöglich ablehnen konnte und leichter Hand meine Marathonvorbereitung abbrach und zusagte.

Tour de Tirol... was bedeutet das eigentlich? Ein 3 Tages Wettkampf in Tirol in der Region des Wilden Kaiser. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das 75km und 3600 Höhenmeter.... kein Zuckerschlecken, aber ich war total neugierig, zumal ich in meinem Läuferleben bisher noch keinen mehrtägigen Wettkampf absolviert habe.

So ging es am Nachmittag des 07.10. mit meinem Schatz Dani nach Söll...

 

Gleich bei Ankunft haben mir Martin Mattle, einen der besten Trailrunner Österreichs getroffen. Danach ging alles schon recht zügig.... Startunterlagen geholt ... im Hotel eingecheckt, und dann ging es schon zum Start des Söller 10ers. 

Vor dem Start des Söller 10ers
Vor dem Start des Söller 10ers

Um 18 Uhr war der Auftakt der 3 Tages-Tour. Einen Rundkurs von 3,3 km galt es 3 mal zu laufen. Der erste Teil der Strecke verlief ansteigend mit rund 100 positiven Höhenmetern, ehe es wieder runter ins Ortszentrum ging. 

Tempohärte war diese Saison sicher nicht der Hauptfokus meines Trainings, und so musste ich nach einer flottem ersten Runde erstmal auf der zweiten Runde etwas regenerieren. Mit einer hohen 40er Zeit kam ich ins Ziel, und wollte erstmal nicht an die 2 bevorstehenden Tage denken...

 

Nach einem gemütlichen Bier mit Martin Mattle, der souverän heute den 5. Gesamtplatz belegte, sah die Welt jedoch schon wieder anders aus. 

Mit Martin Mattle im Zielbereich des Söller 10ers
Mit Martin Mattle im Zielbereich des Söller 10ers

Zeitig ab ins Bett und auf gutes Wetter für den morgigen Tag hoffen... das hat leider nicht geholfen. Heute stand der härteste Brocken der Tour auf dem Programm: Kaisermarathon. 42,1 km auf die Hohe Salve, und dabei einen positiven Anstieg von 2400m. Das Wetter war miserabel: Dauernebel und Nieselregen bei niedrigen Temperaturen knapp über 0 Grad. Verzagen half jetzt auch nicht mehr. Um 8:30 stand ich wieder in am Start und wartete auf den Countdown.

Relativ zügig startete ich los. In einer kleinen Runde rund um Söll kam ich relativ gut in den Tritt und konnte anfangs nach vorne ein Par Plätze gut machen. Auch die ersten Anstiege gingen relativ locker und ich konnte schön meinen Rhythmus laufen. 

Zuversicht breitete sich aus. Vielleicht etwas zu früh ... nach den ersten 700 Höhenmetern ging es in einen technischen Downhill. Da setzte irgendwie jeglicher Verstand bei mir aus... es hat so irrsinnig Freude gemacht diesen Hang hinunter zu brettern, dass ich absolut vergaß, dass noch knappe 30 km vor mir lagen. 

 

Ich überholte einige Läufer, die mich auch etwas verwirrt ansahen...

Unten im Tal bekam ich die Rechnung dafür. Es folgte eine flache Passage in welcher ich meine glühenden Waden und Oberschenkel deutlich spürte. Den nächsten Anstieg konnte ich nicht mehr im Laufschritt bewältigen. Ich musste rausnehmen, und modifizierte auf "Speedhiking". In dem Anstieg traf ich dann auf Martin Mattle... er hatte mit Magenproblemen zu kämpfen und konnte den Anstieg auch nicht laufen. 

pNach der nächste Labestation war ich etwas erholter, Martin ging es noch nicht wirklich besser, und so lief ich wieder ein par Kilometer. Geschmerzt haben die Beine dennoch gewaltig, aber irgendwie machte sich in meinem Kopf eine gewisse Gleichgültigkeit breit.... "was solls... so lange ich noch vorankomme". 

So vergingen die folgenden Kilometer doch irgendwie, wenngleich es verdammt ungemütlich, feucht und kalt war und ein entschädigender Ausblick von atemberaubender Landschaft keinsterweise möglich war, denn es herrschte trübe Suppe auf den gesamten 42 km und man sah fast die Hand vor Augen nicht.

Ein gewaltiger Vorteil für mich, war die hervorragende Organisation des Veranstalters. Denn es gab mehr als genügend Labestationen, welche bestens ausgestattet waren. So konnte ich mich jedesmal ordentlich verpflegen, was mir die folgenden Kilometer wirklich erleichterte.

Irgendwie erreichte ich die Zwischenstation der Gondel. Wo ein riesiges Pulk an Publikum die laufende Meute lautstark anfeuerte. Auch meine Dani stand dort und gab mir noch einen motivierenden Kuss für die letzten 7 km.

Was dann folgte war einfach nur zäh. Über eine matschige Wiese ging es einfach nur steil bergauf. An laufen war jetzt für mich nicht mehr zu denken. Martin hatte sich wieder etwas gefangen, und hatte zu mir aufgeschlossen. In einem ständigen Wechsel schraubten wir uns die Hohe Salve hinauf. Martin lief voran, dann musste er wieder abbrechen wegen einem Krampf im Oberschenkel. 

Der Akku in meinen Beinen war absolut leer. Auf dem letzten Kilometer lief ich mit Martin zusammen. Er sagte, dass sei jetzt alles egal, wir laufen jetzt gemeinsam ins Ziel. Publikum stand am Rand und abwechselnd hörte ich ... nur noch 500m.... nur noch 700m .... nur noch 300m... usw. .... ich wollte das nicht hören. Im Nebel konnte ich nicht erkennen wie weit es noch hinauf ging... ich war leer...Als ich den Zielsprecher hörte wusste ich dass wir uns nähern,... aber es war so steil, und der Saft in meinen Beinen dahin. Irgendwann kam sie dann doch... die letzte Kehre bis ins Ziel..  Gemeinsam stapfte ich mit Martin durch den Zielbogen der Bergstation auf der Hohen Salve, wo mich Dani herzlich empfing.

zufrieden aber erschöpft nach dem Kaisermarathon auf der hohen Salve
zufrieden aber erschöpft nach dem Kaisermarathon auf der hohen Salve

Relativ zügig ging es dann mit der Gondel wieder zurück Richtung Söll und erstmal ab in die Badewanne. Nach einem kleinen Mittagsschlaf und einem guten Kaffee sah dann die Welt auch wieder gut aus. Am Abend konnte ich schnell einschlafen und wie im Flug stand der letzte Wettkampftag vor der Tür.

Den letzten Tag kann man sich kopfmäßig in etwa so vorstellen wie die letzte Einheit in einem straffen Intervalltraining. Die Beine merkte ich, ganz klar.Doch es bestand irgendwie doch noch Zuversicht, auch den letzten Tag gut rum zu bringen. Der Pölventrail stand an. 23 Km mit 1200 Höhenmetern um den Pölven über technisches trailiges Terrain. Um 9:30 stand ich mit Martin wieder am Start. Heute war es egal. "Einfach loslaufen und sehen was die Beine noch hergeben" war die Devise. Der erste Teil bestand gleich mal in einem zähen Anstieg, Anfangs über Asphalt, und dann aber zügig auf schöne Trails. Die Beine hielten, und die Distanz liegt mir einfach. Abgelenkt durch die schönen technischen Trails vergaß ich den Schmerz in den Beinen und drückte einfach aufs Gaspedal. Die Anstiege vergingen irgendwie wie im Flug und als ich das erste mal den kumulativen Anstieg  auf meiner Suunto checkte, waren bereits 900 Höhenmeter verbucht. Von da an wusste ich, dass die Reserven halten. Nach dem höchsten Punkt auf 1200m ging es in einen schönen technischen Downhill. Ich packte alles aus, was noch da war und donnerte hinunter Richtung Söll. Auch das Wetter spielte wieder mit. Denn mittlerweile hatte es aufgerissen und die Sonne ließ sich blicken. Auf dem letzten Stück hinunter zum Ziel habe ich nochmal einige Plätze gut gemacht. 

Mit einem 3:30er Pace bretterte ich Richtung Zielbogen. Woher die Energie kam, nach 3 Tagen intensiven Laufens weiß ich nicht.... doch... an der einzigartigen Atmosphäre und dem sympathischen Tiroler Publikum. Mit einem Breiten grinsen lief ich die letzten Meter des Wettkampfs und beendete die Tour de Tirol 2016 auf Gesamtrang 52 und Platz 10 in der AK M35.

Damit bin ich mehr als zufrieden und freue mich schon jetzt auf ein trailiges 2017. Ein Riesen großes Dankeschön geht an meine herzallerliebste Dani. Ohne Ihren Support wären diese 3 Tage längst nicht so gut verlaufen. 

Natürlich auch ein Riesen Dankeschön für das Vertrauen und die Unterstützung meines Sponsors Enzymkraft und den Support durch unseren Partner Salomon.

einfach nur happy mit Dani nach 3 Tagen Laufen (75 km 3600 Höhenmeter)
einfach nur happy mit Dani nach 3 Tagen Laufen (75 km 3600 Höhenmeter)

Zuletzt noch einmal vielen Dank an Cornelia Hilka und Ihr hervorragendes Hilfsprojekt RunAndHelp zugunsten Ärzte ohne Grenzen. Ich bin unglaublich happy und dankbar, dass ich an diesem großen Event teilnehmen durfte :-)

 

mehr Informationen zur Tour de Tirol - hier

 

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Bis Bald

 

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