· 

Ultramarathon Transvulcania - auf den Spuren der Guachen

Jährlich Anfang Mai findet seit 2009 auf der Kanareninsel La Palma eines der größten und atemberaubendsten Trailrunning-Events statt. Dabei gilt es, am Stück, eine Strecke von ca. 73km zurückzulegen, und dabei kumulativ einen positiven Anstieg von knapp 4500m zu bewältigen.

Was macht den Charme  dieser Insel mit dem lieblichen Kosenamen "Isla Bonita" eigentlich aus, und durch welches geschichtliches Terrain bewegt sich ein Läufer bei der Transvulcania?

La Palma ist die nordwestlichste von den 5 kanarischen Inseln im Atlantik und liegt 417 km vor der marokkanischen Küste. Sie ist zu ca. 40% mit Wald bedeckt und hat daher auch den Beinamen "La Isla verde" (=die grüne Insel).

Wie auch bei den anderen kanarischen Inseln ist sie geologisch vulkanischen Ursprungs. Der letzte Vulkanausbruch auf der Isla Bonita war 1971. Der 439m hohe Vulkan Teneguia, am Südzipfel der Insel (nahe des heutigen Starts der Transvulcania) begann am 26.10.1971 Feuer zu spucken. Die Eruption dauerte ganze 24 Tage. Danach wurde durch die Lavamassen wieder ca.  29 Hektar neues Land geschaffen.

Die Geschichte La Palmas reicht bis weit in die Zeit vor Christus. Bereits im 5. und 6. Jahrhundert vor Christus sollen nordafrikanische Seefahrer bereits bei der Erkundung der Westküste Afrikas die Kanarischen Inseln entdeckt haben.

Die Ureinwohner der Kanaren waren die Guanchen, ein Volk, welches von dem nordafrikanischen Berbern abstammt.

Der Begriff Guanche ist aus Guan (=Mensch) und Che (=weißer Berg) zusammengesetzt. Mit dem weißen Berg ist wohl Spaniens höchster Berg, der Teide mit 3718m, auf der Kanareninsel Teneriffa gemeint.

Hauptstadt: Santa Cruz de La Palma
Hauptstadt: Santa Cruz de La Palma

Auf La Palma lebten die Guanchen in 12 Stämmen. Die heutigen Gemeinden auf der Isla Bonita entsprechen teilweise noch den damaligen Guanchen-Stämmen.

 

Hier eine Übersicht:

                                                                                      1. Ariadne (Tazacorte, Los Llanos, El Paso)

                                                                                      2. Tijuya (Tazacorte, Los Llanos, El Paso)

                                                                                      3. Guehebey (Los Llanos, El Paso)

                                                                                      4. Ahenguareme (Fuencaliente)

                                                                                      5. Tigalate (Mazo)

                                                                                      6.Tedote (Brena Alta, Brena Baja, Santa Cruz)

                                                                                      7.Tenagua (Puntallana)

                                                                                      8. Adeyahamen (San Andrés y Sauces)

                                                                                      9. Tagaragre (Barlovento))

                                                                                   10. Tegalgen (Garafia)

                                                                                   11. Tijarafe (Tijarafe, Puntagorda)

                                                                                   12. Acero (El Paso)

Nach einem ca. 5 stündlichen Flug landet der Flieger von Deutschland, in einem für manche Passagiere, nervenaufreibenden Anflug nahe der Hauptstadt Santa Cruz de la Palma. Die Landung ist insofern immer spannend, da die Rollbahn des Flughafens relativ exakt abgemessen, und auf einer vulkanischen Landzunge positioniert ist. Lange Zeit sieht man vom Fensterplatz nur das Blau des Atlantiks und vermutet schon eher eine Wasserlandung, wenn man plötzlich schon die brechenden Schaumkronen an der Oberfläche detailliert zu Gesicht bekommt. 

Doch dann streift ein par Sekunden vor dem Aufsetzten die Landebahn unter den Tragflächen hervor.

Gerade aufgesetzt verspürt man auch gleich ein kräftiges Bremsen. Denn die Länge der Bahn, macht ein sanftes Ausrollen nicht möglich.

Vom Flughafen zieht es die meisten Trailrunner gleich in den Süden der Insel, Richtung Fuencaliente, dem früheren Guanchenstamm Ahenguareme.

Fuencaliente
Fuencaliente

Am Südzipfel der Insel in einem kleinen Hafen startet jährlich um 6 Uhr morgens eines der größten Trailrunning-Spektakel. Zum Startzeitpunkt ist es noch dunkel, und man sieht außer der ca. 1800 Stirnlampen der Läufer noch den Lichtkegel des Leuchtturms.

Der erste Streckenabschnitt führt über ca. 6 km durch eine Dünenlandschaft aus vulkanischem schwarzen Sand. Ein Tipp an alle ambitionierten Läufer: Nehmt den Fuß vom Gaspedal, denn die Abdruckphase in diesem weichen Sand ist weitaus kraftraubender als man vermutet, und dieser erste Streckenabschnitt kostet Energie, auch wenn die Temperatur zu dieser Tageszeit noch angenehm kühl ist.

Man verlässt den Sandabschnitt und landet in einem kleinen Dorf namens "Los Canarios", wo man kurzzeitig wieder Asphalt unter die Füße bekommt.  Hier befindet sich auch die erste Verpflegungsstation des Ultralaufs.

Los Canarios
Los Canarios

Von nun an laufen die Durchschnittsläufer bei Tageslicht. Die Sonnen wandert immer weiter in den Zenith und man merkt die Temperaturzunahme fast im Minutentakt. Die Strecke windet sich nun weiter durch einen Waldabschnitt bis zur Halbmarathonmarke im wäldlichen "El Pilar".

Waldabschnitt zwischen Los Canarios und El Pilar
Waldabschnitt zwischen Los Canarios und El Pilar

Ab diesem Streckenabschnitt steht die Sonne schon weit oben am Himmel, und es beginnt der zähe Anstieg Richtung Roque de los Muchachos, der höchsten Erhebung der Insel mit 2426m. Dort befindet sich auch das "Observatorio del Roque de los Muchachos", eine Ansiedlung von Sternwarten. Der Sternhimmel auf La Palma ist wirklich beachtlich, und wer nach dem Wettkampf noch etwas Energie hat, sollte sich einen 2. Aufstieg dort überlegen, denn der Anblick des Sternenmeers auf 2500m ist einzigartig.

Wer es bei der Transvulcania bis hierher geschafft hat, darf sich jetzt auf eine lange Downhill-Passage vorbereiten. Entlang der Caldera (=Krater) geht es nun wieder in einem Bogen Richtung Meer. Den tiefsten Punkt seit dem Start in Fuencaliente erreicht man im Hafen von Tazacorte. In diesem heutigen Fischerort begann 1492 die Eroberung La Palmas durch die Spanier. Die Herausforderung der "Corredores" bei der Transvulcania besteht nun darin, den Wettkampf nicht nach über 60 Km abzubrechen. Denn der Anblick des blauen Atlantiks bei einer Außentemperatur von über 25 Grad,lädt nur zu sehr zu einer Badepause ein. 

Von nun an geht es Richtung Ziel. Durch Bananenplantagen führt der Weg in einem letzten Anstieg nach Los Llanos, dem Zielort des Ultramarathons. Los Llanos ist eine Kleinstadt mit rund 20.000 Einwohnern, welche die letzten Jahre sehr vom Tourismus geprägt wurde. Dennoch erkennt man hier mehr als auf den Nachbarinsel, den natürlichen und ursprünglichen Charakter der Kanaren.

Fußgängerzone von Los Llanos
Fußgängerzone von Los Llanos

Die schnellsten Topathleten landen hier nach einer Zeit von unter 7 Stunden (Luis Alberto Hernando - 6h 52min 32 sec - 2015)

Siegerehrung TV 2015 - Los Llanos
Siegerehrung TV 2015 - Los Llanos

Wer zu diesem Top Event anreist, sollte sich etwas Zeit nehmen. Zum einen erfordern die klimatischen Verhältnisse im Mai auf La Palma für uns Mitteleuropäer eine Akklimatisation, und zum anderen bietet die Insel viele idyllische und ansprechende Plätze, welche man im Tunnelblick während dem Ultralauf nur schwer erkennt.

Und jetzt guten Start an alle "Campeones" und vor allem eine gute Erholung danach !!

 

"Vamos"

 

#FollowYourPassion

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Unterstützt bei läuferischen Aktivitäten u.a. von diesen starken Partnern:

Finde uns auch bei Facebook und Instagram und iTunes