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Limone Extreme Skyrace - Cappuccino, Höhenmeter und Schmerzen

Das Limone Extreme Skyrace im idyllischen Limone, im nördlichen Teil des Gardasees hat mich schon letztes Jahr gereizt. Nachdem der erste Saisonhöhepunkt dieses Jahres, mit der Transvulcania ein Skyrunning Worldseries Lauf war, sollte die Saison auch mit einem einem Wettkampf dieser Serie abgeschlossen werden.

Nach den vielen flachen Trainingskilometern aus der Vorbereitung für den Berlin-Marathon, hatte ich keine großen Ambitionen für den Lauf. Weiter besänftigt wurden die Ambitionen nach Ankunft am Freitag in Limone. Beim Abendessen mit Michael Arend, Benni Bublak & Co erfuhr ich erstmal, dass die ursprüngliche Strecke abgeändert wurde. An der Distanz hat sich zwar nicht viel geändert, doch statt einem satten Anstieg waren nun 3 Anstiege und 3 Downhills zu bewältigen, und kumulativ kamen mal eben zu den ursprünglichen 2000 Höhenmetern nochmal 800 obendrauf.

Den Schock musste ich erstmal mit einem kühlen Bier verdauen, ... gut, ich geb's zu, es kamen hinterher nochmal 2 dazu. Die Saison neigt sich ja dem Ende, und ich hab am Vorabend des Rennens schon gemerkt, dass ich mehr in Urlaubsstimmung als im Wettkampfmodus bin.

Der Wettkampf-Start war für 12 Uhr angesetzt. Auch diese Uhrzeit kam meinem Urlaubsmodus sehr entgegen. Gemütlich sind Dani und ich gegen 10 Uhr vormittags vom Hotel Richtung Uferpromenade spaziert und haben uns erstmal wieder ein nettes Café gesucht, um den 2. Cappuccino des Tages zu genießen. Dazu gesellt haben sich dann auch noch Normann und Betty, die ich am Anfang der Saison auf dem Weg von München zur Transvulcania kennengelernt hatte.

Normann dieser verrückte Hund hatte mal wieder ein Double an diesem Wochenende vor, und nutzte das Skyrace als WarmUp für den Lake Garda Marathon am Sonntag.

So Cappuccino schlürfend vergaß man dann auch mehr und mehr, dass eigentlich Wettkampftag war. Gegen 11:50 spazierte ich Richtung Startaufstellung, was eindeutig zu spät war. 

Ich reihte mich im hinteren Drittel der Läufer ein und trabte mit dem Startschuss langsam durch die schmalen Gassen von Limone. Da regte sich dann doch etwas Wettkampflaune in mir, denn ich bin nun mal einfach kein Läufer, der einen Wettkampf zum Trainingslauf macht. Vor dem ersten Anstieg ging es eine kurze Passage von 50 Metern über eine breite Straße. Dort versuchte ich nochmal anzusetzen und ein par Läufer hinter mir zu lassen. Im Anstieg wurden mir die ständigen Überholmanöver zu  mühsam, da der Weg sehr schmal war, und man durchaus konzentriert bleiben musste, um nicht seitlich den Abhang abzuschmieren. Somit akzeptierte ich den aktuellen Status und schraubte mich Kehre für Kehre den steilen Anstieg im Pulk hinauf. Meine größte Sorge zu diesem Zeitpunkt war, einen der Trekkingstöcke meiner Mitstreiter in die Augen zu bekommen. 

Nach den ersten 1200 Höhenmetern kam eine kurze "flache" Passage. Diese Gelegenheit nutzte ich aus, um wieder einen Schwung Läufer zu überholen. Der erste Downhill war anfangs etwas matschig, dann aber gut zu Laufen. Downhill Laufen macht einfach tierisch Laune und so hab ich an diesem Abschnitt auch nochmal ganz gut auf die Tube gedrückt.

Der nun folgende Anstieg hat es in sich gehabt. So etwas steiles... gegen Ende musste man sich dann nahezu senkrecht an Seilen, welche den Felsen hinunterhingen , heraufziehen. 

Nach passieren des höchsten Punkts bin ich relativ moderat in den zweiten Downhill eingestiegen.

Im letzten Anstieg wurde es nochmal zäh, und mir hat es an diesem Punkt eigentlich mit steilen Anstiegen gereicht. Immer mehr Trailrunner standen mit Krämpfen am Streckenrand. Es ist einfach ein hartes Rennen, vor allem weil es in erster Linie steil ist. Flache Passagen findet man quasi gar nicht, und das Rennen verlangt einem muskulär alles ab. Aber irgendwie ging auch dieser Anstieg vorüber und ich ging amüsiert mit einer Horde spanischer Trailrunner in den letzten Downhill. Der hat nochmal richtig Spaß gemacht. Immer wieder schoss es mir durch den Kopf: "Bloß konzentriert bleiben - wäre doch zu blöd auf dem letzten Downhill noch nen Sturz zu erleiden, vor allem in einem Rennen, bei dem es um nichts geht. Irgendwie endet der Downhill dann in Limone, und zur Ärgernis vieler Läufer, gab es unten dann doch 2 steile Rampen, die man nochmal hochlaufen musste. Ich hab echt geflucht, weil sich in meinem Kopf das Bild eines gemütlichen Cappuccinos an der Promenade mit Dani eingenistet hatte. Doch nach der letzten Rampe ging es dann in den Ort, und von nun an nur noch bergab über Asphalt. 

Für mich war das Rennen ab diesem Zeitpunkt vorbei, keine Trails mehr und nur noch locker flockig bergab über den Asphalt ins Ziel Gondeln.... Zack Bumm Peng und dann passierte es... mit dem hinteren Fuß bin ich, mit einem 4 er Pace bergab laufend irgendwie in einem Asphalt-Vorsprung hängengeblieben. Ich versuchte noch auszugleichen, doch mit den Pudding-Beinen nach 3 harten Downhills funktionierte das nicht wie gewollt. Der länge nach schmirgelte ich über den groben Asphalt.

Ich bin aufgestanden, hab kurz die Lage gecheckt - 2 offene Knie, 2 offene Handflächen, aber bewegen kann ich mich noch.... na gut, dann erstmal ins Ziel. Mit einer Zeit von 4h 28 min beendete ich das Skyrace.

Die Schürfwunden sind leider doch ernster und tiefer als anfangs vermutet. Dennoch ist nichts gebrochen, und nach etwas Pause steht dem Dötzenkof-Projekt nichts im Weg.

 

Die Moral aus der Geschicht: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist - es nutzt nichts 2h hochkonzentriert die technisch anspruchsvollsten Downhills zu laufen, wenn man danach komplett abschaltet...

 

Einen Riesen Respekt vor der Leistung von Remi Bonnet, der dieses Rennen mit einer Zeit von 2h 45min gewinnen konnte, und auch Gratulation an die starke Leistung von Benni Bublak.

 

Ein Riesen großen Drücker an mein Baby für die hervorragende Erst- und auch spätere Versorgung, und natürlich an meine Sponsoren:

 

www.enzymkraft.de

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www.jabra.com.de

 

Hier noch ein par Impressionen vom herbstlichen Gardasee...

 

Bis Bald

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Torsten (Dienstag, 20 Oktober 2015 20:13)

    das ist der obsthändler meines vertrauens!!!

  • #2

    Cornelia (Dienstag, 20 Oktober 2015 22:07)

    Wow, Marius - was für ein toller Bericht! Meinen großen Respekt vor Deiner Leistung - ja und was die Konzentration bis zum letzten Meter betrifft, da hast Du wohl recht: Man ist erst glücklich angekommen, wenn man das Ziel erreicht hat. Wünsche Dir von Herzen gute Besserung. Tolle Impressionen vom Gardasee - sehr schöne Fotos.

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