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Trailrunning im Kaukasus - ein 4-tägiger Kurztrip nach Armenien

Armenien, wo liegt das überhaupt? Diese Frage stellen sich sicherlich viele in unserem Lande, wenn sie ehrlich sind.

So ging es auch mir anfangs ..... nachdem ich aber nun auf einem unglaublich schönen Kurztrip zum Trailrunning in diesem reizvollen Land war, möchte ich euch ein bisschen mehr dazu erzählen!

Armenien ist ein kleines Land im Kaukasus. Im Westen grenzend an die Türkei, erstreckt es sich nach Osten an die Grenze zu Aserbaidschan. Südlich hat das christlich geprägte Land einen Grenzübergang zum Iran, und wird nördlich von Georgien umgeben. Die durchschnittliche Höhe von 1800m und die weiten bevölkerungslosen Flächen mit langen Aufstiegen und atemberaubender Landschaft machen Armenien  zu einem bisher unentdeckten Paradies fürs  Trailrunning.

Los ging unser Trip am Donnerstag. Mit dem Flieger gings von München über Wien bis nach Jerewan, der Hauptstadt Armeniens (ca. 1,3 Mio Einwohner). Dort wurden wir bereits von unserem Taxi-Driver, der uns auch später zu all unseren Laufspots brachte, herzlich empfangen. Mit einem guten Ford Transit Kleinbus ging es früh morgens um 3:30 Uhr über holprige Landstraßen entlang der türkischen Grenze durch das noch schlafende Land. Im Land gibt es keine Autobahn, und die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Km/h ausserorts machte mich zunächst stutzig. Angesichts der zahlreichen Schlaglöcher in der Straße macht diese Maßnahme aber durchaus Sinn. 

Mit der aufgehenden Sonne zeigte sich dann die eindrucksvolle Gebirgslandschaft des Kaukasus. 

Unser Ziel war Sissian, eine kleine Gebirgsstadt auf ca.1600m Höhe im Süden des Landes. Nach einer kurzen Kaffeepause, zum Kennenlernen des guten Kaffees nach armenischer Art, ging es weiter. Schon bei diesem Kurzstop musste ich feststellen, dass die Armenier ein sehr freundliches Volk sind, und gegenüber Auswärtigen sehr aufgeschlossen sind. 

In Sissian angekommen gab es erstmal ein ordentliches Frühstück, ehe es zu einem kurzen Nickerchen für den Großteil der Mannschaft ins Hotelzimmer ging.

Till und ich mussten gleich das schöne Wetter genießen und haben mit dem Sohn unseres Taxi-Drivers ein wenig Fußball gespielt. Und dann ging es gegen Mittag auch schon los zu unserem ersten Lauf im Kaukasus. Bei 21 Grad und in kurzer Montur ging es hinaus aus Sissian auf den Sendemast-Berg auf ca. 2040 m Höhe. Von dort gab es einen schönen Downhill in ein idyllisches Flusstal mit vielen Kirschbäumen. Auf dem Weg mussten wir einmal den kleinen Fluss queren, was sich angesichts der rutschigen großen Steine Unterwasser als kleine Herausforderung darstellte...

Insgesamt war es eine 14 Km Tour, mit knapp 600 positiven Höhenmetern. Die Armenier, denen wir unterwegs begegneten freuten sich immer riesig wenn sie unsere Lauftruppe sahen. Man wurde freundlich gegrüßt, und vorbeifahrende Autos haben stets gehupt und zugewunken. Den Anblick einer Trailrunning-Gruppe sind sie wohl sicherlich nicht gewöhnt. Im Hotel angekommen, gab es erstmal eine gute Stärkung mit Lavsh, einem armenischen Fladenbrot, welches in speziellen Bodenöfen gebacken wird. Gefüllt wird dann der pfannkuchenähnliche Teig mit allem was einem so einfällt (in Armenien häufig Kräuter, Gewächs, Käse, Tomaten...). Ein wirklich leckerer Snack, den man hier in Armenien wirklich zu jeder Mahlzeit bekommt.

Nach einem guten armenischen Bier fiel ich dann um 21 Uhr in einen tiefen erholsamen Schlaf und hab auch prompt vergessen meinen Wecker zu stellen. Am nächsten Tag wurde ich durch ein lautes Klopfen an meiner Tür geweckt.... Misst verschlafen.... nichts wie rein in die Laufklamotten. Heute wurden wir leider vom Wetter nicht so  verwöhnt. Bei Regen und Temperaturen knapp über 0 Grad starteten wir von Sissian mit unserem Bus zu unserem nächsten Lauf-Startpunkt in Ltsen. Von dort ging es über einen längeren Anstieg bis auf 2170m. Auf der Hälfte der Strecke ging der Regen dann in Schneefall über. Begleitet wurden wir auf dieser Tour auch von unserer Hotelwirtin Hasmik. Sie hat über die letzten Monate gemeinsam mit der lokalen Laufbegleiterin Lilia (auch eine echt gute Läuferin) trainiert, und wir wallen alle sehr beeindruckt, wie sie die Strecke von 17 Km mit 700 Hm im Anstieg mit einer Leichtigkeit gemeistert hat. Endstation dieses Trailruns war Tatev, ein im Jahr 895 gegründetes Kloster. Ehe zur Besichtigung ging, gab es erstmal eine ordentliche Stärkung mit guter Suppe, Fleisch, warmem Tee und natürlich auch Lavash. Am Feuer konnten wir dann auch unsere nasse Funktionskleidung etwas trocknen. Trotz des schlechten Wetters hat der Lauf richtig Spaß gemacht und die ganze Aktion hatte einen richtigen Abenteuer-Charakter.

Abgerundet wurde der Tag durch eine Fahrt von Tatev mit der längsten Seilbahn der Welt (5,75 km) über die Worotan Schlucht (am höchsten Punkt schwebt man 321m über dem Boden) nach Sjunik. Unten angekommen erwartete uns unser sympathischer Taxi-Driver und es ging zurück zur heißen Dusche ins Hotel nach Sissian.

Am folgenden Tag ging es dann wieder zurück in die Hauptstadt. Auf einer schönen Fahrt übers weite Land zeigte Armenien dann bei nun wieder schönem Wetter noch einmal seine beeindruckende weite Gebirgslandschaft.

In Jerewan gab es dann noch einen schönen City-Trail durch die Straßen und Stufen der Stadt. Die Metropole, welche auf ca. 1000m liegt, bietet genug Möglichkeiten, um auch im Großstadtdschungel Höhenmeter zu sammeln.

Beeindruckend war der Lauf zum Genozid-Denkmal. Das Memorial erinnert an den Völkermord vor 100 Jahren, den die Türken an den Armeniern zu verantworten hatten. Der Genozid endete damals mit der Vertreibung der Armenier, die damals noch am Ararat (heiliger Berg mit 5137m, an der türkischen Grenze, heute zur Türkei gehörend) lebten.

Insgesamt ging es bei diesem städtischen Sightseeing-Trail (auch am Fußballstadion von Jerewan vorbei) über 15 Km mit knapp 300 positiven Höhenmetern. Am Abend gab es noch ein ausgewogenes vielseitiges Abendessen in einem Restaurant im Zentrum Jerewans, ehe es mitten in der Nacht zurück zum Flughafen und folglich Richtung Heimat ging.

 

Dieser Kurztrip hat wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. In der wenigen Zeit, die wir im Kaukasus verbracht haben, sind doch so viele positive und beeindruckende Momente entstanden, so dass ich unglaublich glücklich bin, laufenderweise, einen Teil der Welt entdeckt zu haben, von dem ich zuvor gar nicht wusste, wo er geografisch genau liegt. Tatsächlich bekam ich nach meiner Ankunft in München gleich wieder ein wenig Fernweh, denn ich möchte gern noch mehr von diesem interessanten Land entdecken.  Wer Lust hat, laufend eine neue interessante Welt zu entdecken, und als Pionier die Trails des Kaukasus rocken will, sollte sich auf jeden Fall mal auf FIT-Sporturlaub umsehen. Es gibt ja auch noch längere Trips, mit noch weitaus mehr Abenteuerpotenzial. Für mich wird es jedenfalls nicht der letzte Trip nach Eurasien gewesen sein, und wer weiss, vielleicht begleite ich euch ja bei einem eurer künftigen Trips.

 

Hier noch ein par bewegte Impressionen des Trips.....


Bis Bald


Keep on running

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