· 

Pitztal Trailmaniak 2014 - Eine rekordverdächtig lange Zeit für einen Marathon

Nachdem ich seit Anfang des Jahres im Team Erdinger Alkoholfrei bin, hab ich die Möglichkeit mich für Startplätze bei verschiedensten Veranstaltungen zu bewerben. So Kam es, dass ich einen Platz für den Pitztal Gletscher Trailmaniak 2014 in der klassischen 42k Distanz zugesagt bekam.

Da ich ja schon einen Marathon gelaufen bin und zudem meine Trailerfahrungen dieses Jahr schon beim Zugspitz Basetrail von Mittenwald nach Grainau machen durfte, haben mich die beim Trailmarathon im Pitztal zu bewältigenden positiven 2825 Höhenmeter anfangs nicht abgeschreckt. So richtig nervös wurde ich eigentlich erst beim offiziellen Race-Briefing in Mandarfen im Pitztal, dem Austragungsort des Wettkampfs. Mehrmals erwähnten die Veranstalter dass wir den Lauf ruhig angehen sollten, da sie den Run nicht umsonst als den härtesten Trail-Marathon der Alpen nennen. Es werden Fotos von der hochalpinen Landschaft auf knapp 3000m Höhe gezeigt, und mir wird langsam mulmig. Jetzt heißt es nochmal ordentlich Abendessen und sehen dass man rechtzeitig schlafen kann. Leider sieht die Wettervorhersage alles andere als gut aus, und ich versuche mich mit dem Gedanken anzufreunden, morgen im Regen zu laufen.

Um 6 Uhr in der Früh klingelt der Wecker. Die Gastwirtin meiner Pension hat mir glücklicherweise angeboten, bereits um halb 7 ein Frühstück bereit zu haben. Mit dem Frühstück ist es bei mir vor Wettkämpfen immer so eine Sache. Normalerweise darf es bei mir aufgrund meiner aktiven Verdauung nur eine Banane sein. Nachdem ich aber überhaupt nicht einschätzen kann wie lange ich heute unterwegs sein werde, mache ich eine Ausnahme und genehmige mir ein Müsli und eine Semmel.

Danach gehts auf zum Start. Mit dabei hab ich natürlich meinen Salomon Trailrucksack mit der benötigten Pflichtausrüstung. Als ich mich in die Startaufstellung einreihe fängt es bereits an zu regnen. Ich packe meine GoPro Kamera aus, um noch schnell ein Selfie vor dem Start zu schießen. Doch daraus wird nichts. Ich hatte die Kamera blöderweise über Nacht eingeschaltet gelassen, und die Akkuleistung reichte nicht mehr für ein einziges Foto.

Ich hasse es, wenn vor dem Start irgendwas nicht nach Plan läuft. Irgendwie bin ich da abergläubisch und denke mir das könnte einen Einfluss auf den späteren Rennverlauf haben. Um die Cam nicht umsonst mitzuschleppen, renne ich schnell zurück zum Parkplatz und bringe die GoPro ins Auto. Pünktlich zum Start um 8 Uhr morgens bin ich wieder in der Reihe. Jetzt kanns losgehen.

Die ersten knapp 4 Km geht es durch die Ebene ehe es auf die Kaunergrathütte auf etwa 2800m geht. Auf einer Strecke von 5 Km ist dort ein Höhenunterschied von 1200m zu bewältigen. Es wird steil und es wird schmerzend in den Waden. Schon jetzt ist es teilweise sehr schwierig im Laufschritt zu bleiben da die Steigung einfach zu stark ist. Nach diesem intensiven Warm-Up Programm komm ich an der ersten Verpflegungsstation an der Kaunergrathütte an. Es herrscht leichter Sprühregen, den ich aber zu diesem Teil des Rennens als angenehm empfinde, weil ich durch den intensiven Aufstieg schon ziemlich ins Schwitzen gekommen bin. Von nun an wird es hart. Es geht weiter bergauf zum höchsten Punkt des Rennens auf knapp 2900m. Der erste Teil führt durch felsiges Geröll mit mit einem Drahtseil im Felsen zum einhalten. An wirkliches Laufen ist hier nicht zu denken da man doch gerne eine Hand am Seil lässt, da es rechts wirklich steil bergab geht. Schon jetzt merke ich wie der Regen nun eher gegen mich spielt. Der felsige Untergrund wird zunehmend rutschig und die Konzentration ist sehr hoch, da jeder Fußaufsatz gut positioniert seien sollte. Weiter geht es bergab an einem türkis blauen Gebirgssee vorbei. Selbst bei dem grau in grau am Himmel wirkt die Farbe des Gewässers einzigartig. Ein schneller Downhill ist hier aber nicht möglich, da der Abstieg hier über riesige Felsbrocken führt. Irgendwie geht es so weiter, und mir wird jetzt schon klar dass es heute mit Sicherheit kein schneller Marathon wird.


Doch dann ändert sich die Landschaft doch etwas. Es folgt der Downhill nach Trenkwald. Die Strecke ist jetzt nicht mehr felsig. Eher geht es über wiesen und schmale Singletrails bergab. Das Problem ist nun nur, dass der Regen deutlich zugenommen hat und zwischen meinen Füßen ein kleiner Bach bergab läuft. Ich versuche ein bisschen das Tempo zu erhöhen, da ich weiß dass ich noch einen verdammt großen Teil der  Strecke vor mir hab. Plötzlich rutsch ich und verliere den Halt unter den Füßen. Mit meiner rechten Hand kann ich mich nicht abfangen, weil ich meine Stöcke in der Hand halte. Die Stöcke presst es zwischen zwei Felsbrocken mit meiner Hand dazwischen. Die Teleskopstöcke biegen sich einmal durch und ich warte nur auf ein lautes Knacken, welches aber zum Glück ausbleibt. Es hat sich doch gelohnt die teuren Stöcke aus Carbon zu nehmen denk ich mir. Aluminium wäre jetzt sicher verbogen. Nach diesem kurzen Zwischenfall ist mir klar dass ich heute keine Bestzeit aufstellen möchte, und mein oberstes Ziel nur ist, hier heil wieder unten anzukommen. Unten in Trenkwald erreich ich die nächste Verpflegungsstation. Dort treffe ich auch einen anderen Teilnehmer, der mir erzählt dass er nach einem Sturz jetzt aus dem Rennen ausgestiegen ist. Mir wird immer mehr bewusst, dass dieser Trail nicht einfach ist, und die Wetterbedingungen einfach zunehmend hart werden. Nach einem großen Schluck Red Bull zieh ich weiter Richtung Mandarfen, den Startort wo es zum Glück nach 5 km schon die nächste Verpflegungsstation gibt. Kurz vor Mandarfen begegne ich einem Läufer mit der Startnummer 133 und nachdem ich die Nummer 132 habe, spreche ich ihn an. Wir kommen ins Gespräch und laufen die nächsten Kilometer zusammen. So quatschend vergeht die Zeit dann doch schneller und das schlechte Wetter wird irgendwie erträglicher. Bei der Verpflegungsstation gibts dann erstmal ne heiße Suppe. Es ist irgendwie nicht wirklich motivierend, dass ich mich momentan schon im Zielort befinde, aber trotzdem noch die 2. Runde des Rennens vor mir habe.

 

Es folgt der nächste Aufstieg hinauf zur Sunnaalm. Schon bei den ersten Höhenmetern der 2.Runde merke ich wie ich im rechten Oberschenkel einen Krampf bekomme. Das darf doch nicht sein denk ich mir, und mir wird bewusst, dass ich noch ca. 20 km vor mir habe. Ich versuche die Zähne zusammen zu beißen und setze auf Ignorieren. Ein Wunder, es hilft. Bereits nach 5 Minuten ist der Muskel wieder schmerzfrei. Dennoch wird das Rennen jetzt ab diesem Teil zäh. Irgendwie sehne ich mir den Moment herbei in dem ich durchs Ziel laufe. Plötzlich krieg ich mächtig hunger, und verputze innerhalb kürzester Zeit 2 Powerriegel. Kurz danach erreich ich die Sunnaalm und jetzt verpflege ich mich so richtig. Von Käse über Wurst bis hin zu Müsliriegeln stopfe ich alles in mich hinein, und spüle das ganze mit einem halben Liter Cola hinunter.Danach fühl ich mich wie ausgewechselt. Es läuft sich auf einmal wieder geschmeidig. Weiter gehts um den Riffelsee, ehe es danach den letzten Anstieg gibt. Dort treffe ich einen netten Läufer aus dem Ötztal. Im Gespräch mit ihm vergehen die letzten positiven Höhenmeter wie im Flug. Und dann endlich. Es kommt der letzte Downhill. Die letzten 5 Kilometer. Und diese Passage ist genau nach meinem Geschmack. Es geht leicht bergab auf einem breiten Schotterweg, und ich laufe die letzten Kilometer mit einem Pace von 4'10/km. Ich warte nur auf den Moment,das Ziel zu sehen. Doch vorher kreuzt plötzlich eine riesige Horde Kühe meinen Weg. Ca. 30 bullige Bergkühe stehen mitten auf dem Weg den ich passieren muss. Irgendwie wird mir mulmig. Aber der Wunsch das Ziel zu erreichen ist größer, und ich lauf einfach mitten hindurch. Die Kühe schauen etwas komisch, man hört hier und dort ein Muh, aber sie gehen brav zur Seite . Und dann seh ich aus der Ferne den Zielbogen. Ich beschleunige meinen Pace und bekomme plötzlich ich eine Gänsehaut. Mir wird bewusst, dass ich dieses Rennen heil überstanden hab, und mit einer Laufzeit von 8h15min wird das der bisher längste Lauf meines Lebens. Im Ziel werd ich sehnlichst erwartet und danach gehts erstmal zum Pizza-Essen.

 

Ob ich den Lauf noch einmal machen würde, werd ich später gefragt. Ich antworte: Ja, aber nur bei schönem Wetter. Jetzt weiß ich, warum dieser Lauf auch als härtester Marathon der Alpen bezeichnet wird.



Unterstützt bei läuferischen Aktivitäten u.a. von diesen starken Partnern:

Finde uns auch bei Facebook und Instagram und iTunes